Meine Gedanken zum „Kapitalismus – dem Feind der Linken“ – ein Beitrag von Martin Motl

Während 27 % der in den sozialistischsten Volkswirtschaften der Welt lebenden Menschen unter extremer Armut leiden (von der Weltbank definiert als Einkommen unter 1,90 Dollar pro Tag), trifft dieses Schicksal in den Hochburgen des Kapitalismus weniger als 2 % der Bevölkerung. Das durchschnittliche Einkommen ist in den wirtschaftlich freiesten Ländern 6 Mal höher als in den unfreiesten, das durchschnittliche Einkommen der ärmsten 10 % ist in den wirtschaftlich freiesten Ländern aber sogar 7 Mal höher als in den wirtschaftlich unfreiesten. Ausgerechnet die Ärmsten, für die Sozialisten und Kommunisten seit Marx in den Kampf zu ziehen vorgeben, profitieren also sogar überproportional vom Kapitalismus.

Dieselbe globale Spreizung zeigt sich auch bei anderen Kennziffern, mit denen sich Erfolg, Lebensqualität und Entwicklungsstand verschiedener Länder messen und vergleichen lassen. So haben die Menschen in den kapitalistischsten Ländern eine um 14 Jahre höhere Lebenserwartung, eine 6 Mal niedrigere Kindersterblichkeit, größere politische und bürgerliche Freiheiten und mehr Gleichstellung der Geschlechter als in den am wenigsten kapitalistischen Volkswirtschaften.

Dies ist auch nicht durch kulturelle oder ethnische Unterschiede erklärbar, etwa zwischen dem arabischen Raum und Westeuropa oder zwischen Südamerika und den USA. Am deutlichsten zeigt sich das im direkten Vergleich benachbarter Staaten, die demselben Kulturkreis angehören, aber unterschiedliche Wirtschaftssysteme bevorzugen. Paradebeispiele sind die Superkapitalisten Hongkong und Singapur, wo es den Menschen viel besser als in ethnisch und kulturell sehr ähnlichen, aber wirtschaftlich unfreieren Nachbarstaaten geht.

Das war nicht immer so: Im Jahr 1941 besuchte die Journalistin und Reiseschriftstellerin Martha Gellhorn zusammen mit ihrem Mann Ernest Hemmingway den Stadtstaat und stellte fest: „Das wahre Hongkong ist grausamste Armut, schlimmer als jede, die ich je zuvor gesehen habe.“ Sie glaubte, „das Leben hier war schon immer so und würde auch immer so bleiben“.

Weit gefehlt. Nur wenige Jahre nach Gellhorns Besuch führte die Kapitulation der Japaner 1945 zu einer Rückkehr der britischen Herrschaft auf der Insel, womit ein weitreichender Laissez-faire-Ansatz in die Wirtschaftspolitik der Stadt Einzug hielt.

Noch 1950 lag das Einkommensniveau des Durchschnittsbürgers in Hongkong nur bei 36 % von dem eines Briten im Vereinigten Königreich. Aber das sollte sich schnell ändern. Seit 1970 steht Hongkong fast jedes Jahr auf Platz 1 der Liste der kapitalistischsten Ökonomien der Erde. Im Zuge dessen wuchs seine Wirtschaft konsequent schneller als der Rest der Welt, seine Einwohner wurden kontinuierlich immer wohlhabender. Heute liegt das Pro-Kopf-BIP Hongkongs um 68 % über dem des Vereinigten Königreichs. Elend gibt es quasi nicht mehr, wie HumanProgress.org analysiert: „Die Armut, die Gellhorn beklagte, ist verschwunden – dank der wirtschaftlichen Freiheit.“

Hongkong ist nur ein Beispiel unter vielen. Die Gegenüberstellung weitgehend kapitalistischer Länder mit vergleichbaren, aber sozialistisch wirtschaftenden Staaten zeigt stets eine haushohe Überlegenheit der kapitalistischen Ordnung: Chile gegen Venezuela, Westdeutschland gegen Ostdeutschland, Südkorea gegen Nordkorea, Taiwan gegen das maoistische China, Costa Rica gegen Kuba. Niemals ist es einem sozialistisch wirtschaftenden Land gelungen, seinen Bürgern ein besseres, glücklicheres oder gesünderes Leben, weniger Armut oder eine sauberere Umwelt zu bieten.

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