ALLE kritisiert: Karliczek-Vorschlag zu Voll-Unterricht „wirklichkeitsfremd“

DÜSSELDORF, 02. Juni 2020 (JL/PL). Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) erfährt für ihren Vorstoß nach einer vollen Wiederaufnahme des Unterrichtsbetriebs im neuen Schuljahr beißende Kritik. Der Vorschlag Karliczeks, wegen der Corona-bedingten Abstände in Klassenräumen zusätzlichen Platz durch das Aufstellen von Containern auf dem Schulgelände zu schaffen, sei „vollkommen wirklichkeitsfremd“, sagte der Fachsprecher der Partei „Allianz liberaler und libertärer Europäer (ALLE)“, Jörg Lepkes, am Dienstag in Münster.

„Von aktuell knapp elf Millionen Schülern in Deutschland müssten demnach für die Hälfte – also rund 5,5 Millionen Schüler – solche Container aufgestellt werden. Bei einer halbierten Klassengröße von 13 Schülern wären das über 420.000 benötigte Container“, rechnete Lepkes vor. „Eine Schule mit 1000 Schülern bräuchte demnach 39 Container als zusätzlichen Lehrraum“, so der ALLE-Fachsprecher weiter. Selbst bei einer Mischung aus Präsenz- und Onlineunterricht würde diese Rechnung nicht wesentlich günstiger ausfallen.

Auch bei den Fragen nach Organisation und Kosten werde deutlich, dass die Überlegungen der Bundesministerin nichts mit der Realität zu tun hätten, bemängelte Lepkes. „Frau Karliczek hat keinerlei Lösung für das Problem des Unterrichtsausfalls zu bieten.
Wer soll die von ihr vorgeschlagenen Container produzieren? Wer soll sie bezahlen? Wo sollen sie aufgestellt werden? Und nicht zuletzt: Woher sollen die dringend benötigten, Zehntausenden zusätzlichen Lehrerinnen und Lehrer kommen?“, kritisierte der ALLE-Fachsprecher. „Die von Karliczek genannten Lehramtsstudenten sind für solche Aufgaben nicht genügend oder gar nicht ausgebildet. Auf alle wichtigen Fragen gibt die zuständige Ministerin demnach keine Antwort“.

Lepkes betonte, dass Karliczek als fachfremde Ministerin „mit ihrer Aufgabe, einen funktionierenden Schulbetrieb durch angemessene Rahmenbedingungen zu unterstützen, überfordert ist. Als Hotelfachfrau, Bankkauffrau und Diplom-Kauffrau hat sie in ihren Bereichen sicher Kompetenzen. Als Bildungsministerin eher nicht.“ Deutschland könne sich als Bildungsstandort derartige „Fehlbesetzungen nicht leisten“, gab Lepkes zu bedenken.

Auch die zusätzlichen finanziellen Belastungen, die sich aus den Forderungen der Ministerin ergäben, seien gewaltig. „So entstünde beispielweise bei einem Zeitraum von sechs Monaten durch Mietkosten für 420.000 Container, zuzüglich der Kosten für Auf- und Abbau, Lieferung und Abtransport, Endreinigung und Energiekosten ein zusätzlicher finanzieller Bedarf von 7,4 Milliarden Euro“, rechnete Lepkes vor.

Hinzu käme noch die Bezahlung der darüber hinaus erforderlichen Lehrkräfte. Die Zusatzkosten für jeden einzelnen Schüler bezifferten sich für ein halbes Jahr somit auf knapp 680 Euro. „Für eine kleine Kommune mit beispielsweise 4.000 Schülern würde das nach den ganzen Corona-bedingten Gewerbesteuereinbrüchen ein zusätzliches Finanzloch von 2,7 Millionen Euo bedeuten“, argumentierte der ALLE-Fachsprecher. Jeder könne sich ausrechnen, dass Karliczeks Vorschläge „eine reine Luftnummer“ seien.

Seine Partei, betonte Lepkes, fordere deshalb einen konsequenten Ausbau des Homeschooling mit intensiven Fortbildungen der Lehrkräfte. „Zusätzlich müssen alle Schüler und Lehrer so ausgestattet werden, dass diese Art des Lernens möglich und effektiv sein kann. Sozial schwächere Familien dürfen nicht abgehängt werden, durch diese Form des Unterrichts darf es keine Benachteiligung geben.“

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